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Weltwaertsberichte von Finn

  

Berichte von Finn Neugebauer

 

 

Weltwärtsbericht Nummer 2

Oktober 2010 - Mai 2011

 

Weltwaertsbericht Finn.pdf

 

 

Weltwärtsbericht Nummer 1 

Juli- September 2010

 

Ich bin am 02.07.2010 mit drei anderen Freiwilligen für ein Jahr von Deutschland nach Nicaragua geflogen, um dort in einem Stipendienprojekt des Nicaragua- Verein Oldenburg, im Rahmen des „Weltwärtsprogrammes“ der deutschen Bundesregierung, zu arbeiten.   Ich hatte mich dazu entschieden eine für mich neue Kultur und ein neues Land kennen zu lernen, da ich bisher die meiste Zeit meines Lebens in meiner Heimatstadt Oldenburg verbracht hatte.

 

 

Außerdem fühlte ich mich selber noch nicht bereit direkt nach meiner Schulzeit über meine Zukunft (Studium) entscheiden zu können. Die andere Möglichkeit des Wehrdienstes in der Bundeswehr schied für mich persönlich komplett aus.

 

Vorbereitung:

In den Wochen bevor wir abflogen, nach meinem Abitur, fuhr ich zu zwei Vorbereitungstreffen für den Freiwilligendienst in Nicaragua, organisiert und geleitet von Mitgliedern des „Nicanetz“ Dort traf ich im schon einmal andere Jugendliche, die sich genau wie zu diesem Schritt in ihrem leben entschlossen hatten. Man tauschte sich aus und erfuhr durch die Seminare neue Sachen über das Land und die Leute. Zwar bin ich vorher bereits schon zwei Mal in Nicaragua gewesen (jeweils einen Monat), aber diese Zeit reichte längst nicht aus, um das Land genauer kennen lernen zu können. Auf den Seminaren wurde ich mir meiner Rolle als freiwilliger Helfer von einem anderen Kontinent bewusster und lernte nebenbei mehr über Entwicklungsarbeit und die ökonomischen Zusammenhänge der europäischen und lateinamerikanischen Länder.

 

Arbeit:

Ich begann schon relativ schnell nach meiner Ankunft in San Francisco Libre mit meiner Arbeit im Stipendienprojekt. Dar Marlies (Mitverantwortliche für das Stipendienprojekt vom Verein in Oldenburg) durch die Jugendreise auch gerade in San Pancho war, hatte ich die Gelegenheit mit ihr zusammen alle Stipendiaten einmal durchzuschauen. Sie hatte vom letzten Stipendientag Fotos von jedem einzelnen Stipendiaten gemacht, der an diesem Tag gekommen ist. Zum Glück hatte Jenny, die vorherige Freiwillige in dem Projekt, eine gute Ordnung der Stipendiaten im Computer der Bibliothek erstellt. Somit sind alle Stipendiaten im Computer nach Wohnort und Namen in Ordnern gespeichert.

Meine Arbeitszeit verbringe ich am meisten im Computerraum der Bibliothek. Dort schreibe ich dann entweder Berichte über die verschiedenen Besuche bei Familien der Stipendiaten, übersetze Briefe der Stipendiaten an die Leute in Deutschland oder kontrolliere und übersetze Geschenke aus Deutschland an die Stipendiaten.

Mit den Besuchen bei Stipendiaten habe ich schon in der zweiten Woche begonnen. Da die Mädchen von der Jugendreise auch einige Stipendiaten besuchen wollten, bekam ich die Möglichkeit meine ersten Besuche nicht alleine tätigen zu müssen. Somit half ich bei den ersten Besuchen mit dem Übersetzen der Fragen und bei der Leitung der Gespräche. In den Wochen danach fuhr ich regelmäßig jede Woche mit Josselyn oder auch Mara zu den Stipendiaten in verschiedene Dörfer. Ich fühlte mich mit meinen Spanischkenntnissen noch nicht bereit alleine irgendwelche Familien zu besuchen.

Die Gespräche mit den Stipendiaten zu Hause verliefen eigentlich ziemlich unterschiedlich. Zwar wurde man bei allen (wie so oft in Nicaragua) herzlich empfangen, jedoch gab es große Unterschiede in den jeweiligen Gesprächen mit den Kindern. Einigen musste man jedes Wort aus der Nase ziehen um etwas über ihr Leben zu erfahren, was man dann in den Bericht über den Besuch schreiben könnte. Manchmal hatte ich ein wenig das Gefühl, dass sie von dem großen Weißen, der vor ihnen saß ein wenig eingeschüchtert waren. Leider konnte ich mich dann in diesen Momenten nicht gut genug verständigen, um diese Barriere dann auf einer persönlichen Ebene brechen zu können.

Bei anderen Stipendiaten machten die Besuche hingegen richtig Spaß. Man merkte, dass sie sich freuten, dass sich jemand in Deutschland (Ich sozusagen als Stellvertreter) für sie interessiert und ihnen in ihrer persönlichen Situation helfen möchte.

Somit kam es zu langen Gesprächen, die einen großen interkulturellen Austausch beinhalteten, da die Kinder auch viel über Deutschland wissen wollten. Wenn man sich dann beim nächsten Stipendiatentag in der Bibliothek wieder sah, freute man sich und tauschte Neuigkeiten untereinander aus.

Durch die vielen Besuchen bei verschiedenen Familien, wiederholten sich unsere Fragen an die verschiedenen Stipendiaten mehrfach, da diese den Grundstock für den Bericht bildeten. Nach einiger Zeit wurde dies ein wenig lästig, da somit meist auch kein richtiges Gespräch unter uns, sondern nur eine Frage- Antwort- Situation entstand. Leider hatte Josselyn auch noch fast keine Erfahrung mit den Besuchen bei Stipendiaten, weshalb sie mir bei der Fragestellung und der Entstehung eines tieferen Gespräches nicht sehr behilflich sein konnte.

Ich bin mir aber sicher, dass sich dieses Problem schon bald relativieren lässt, da ich täglich weiter Spanisch lerne und außerdem Woche für Woche immer mehr in die Kultur hereinkomme.

Somit sammele ich immer neue Erfahrungen hier im alltäglichen Leben, die ich dann in der Arbeit anwenden kann, um solcherart von Problemen lösen zu können.

 

Um die ganze Arbeit im Stipendienprojekt koordinieren zu können, gibt es in der Bibliothek den Computerraum, welcher wie gesagt mein Arbeitsplatz ist, aber auch den Schreibtisch von unserer Partnerorganisation APREDEN vor Ort beinhaltet. Dort in den Regalen sind alle Ordner über Stipendiaten untergebracht. Es gibt monatlich eine neue Stipendiatenliste, die zu jedem Stipendientag aktualisiert wird. Außerdem gibt es eine weitere Liste, in der die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stipendiaten zu ihren Partnern in Deutschland festgehalten wird. Somit kann man genau nachvollziehen, wer wem wann irgendetwas geschrieben oder geschickt hat und wer nicht. Zu den Listen gibt es auch Stipendiatenbücher, in denen die Familiensituationen festgehalten sind, aufgrund dessen sich die Familien für Stipendien qualifizieren. Es werden nur an Großfamilien mit mehreren Kindern Stipendien verteilt, da es diese am nötigsten haben. Um das Stipendiengeld jeden Monat regelmäßig zu erhalten, müssen die Kinder möglichst täglich in der Schule erscheinen und gute Noten nachweisen können.

An dem jeweils ersten Tag im Monat (es sei denn es ist ein Feiertag) kommen alle 100 Stipendiatenfamilien zur Bibliothek in den Hauptort, um sich das Geld abzuholen. Morgens kommen die Stipendiaten aus den Comunidades und nachmittags die aus dem Hauptort und näheren Orten. Jeder Stipendiat kann sich zudem auch je nach Bedarf  Schulmaterialien (Hefte, Stifte und Blöcke) abholen, sogar ein Fahrrad kann bestellt und monatlich vom Stipendiatengeld abgezahlt werden. Die Auszahlung der Gelder habe ich auch zusammen mit Josselyn übernommen und es klappt ziemlich gut. Um das Geld zu erhalten müssen die Stipendiaten oder ihre Familienangehörigen die Ausweise der Mütter mitbringen und auf der Liste mit eigenem Namen unterschreiben, dass sie das Geld abgeholt haben. Somit kommt es schon mal vor, dass nur eine Person aus einer weiter entfernten Comunidad kommt, um das Geld für fünf Personen abzuholen. Leider ist es deshalb auch unmöglich alle Stipendiaten an einem Stipendiatentag in der Bibliothek anzutreffen, um mit ihnen ein wenig über ihre Situation zu sprechen.

 

Insgesamt bin ich mit meinem Projekt bisher sehr zufrieden und freue mich weiterhin dort weiterarbeiten zu können, um noch mehr Familien kennen zu lernen. Durch das Herumreisen im Municipio bekomme ich ein genaues Bild von der Wohnsituation der Menschen und freue mich ihnen direkt helfen zu können. Manchmal ist dieser direkte Kontakt aber auch nicht leicht, da man auch mit traurigen und tragischen Schicksalen von Familien und Kindern in Berührung kommt. Diesen dann manchmal machtlos gegenüberzustehen tut dann schon ziemlich weh und müssen von mir im Nachhinein erst einmal psychisch verarbeitet werden.

Das Aufbereiten und Reflektieren der Gespräche bei den Familien am PC ist daher für mich interessant. Zwar ist es dort im Arbeitszimmer tagsüber kochend heiß, aber die Resultate entschädigen dann für alles. Es ist schön, dass ich mit meinen Berichten über die Familien eine Freundschaft zwischen Menschen auf zwei entfernten Kontinenten aufrechterhalten und festigen kann.

 

Leben in San Francisco Libre:

Für mich war es ein komisches Gefühl wieder nach San Francisco Libre zurückzukehren. Da ich schon zwei Mal vorher dort war, kannte ich das Dorf bereits schon ganz gut und hatte auch schon bereits einige Freundschaften geschlossen. Ich wusste aber persönlich nicht, ob diese Freundschaften (die in nur kurzen Besuchen entstanden) sich auch für so eine lange Zeit jetzt halten würden.

Wir wurden natürlich sehr nett in San Francisco Libre empfangen und wohnten den ersten Monat in Gastfamilien. Ich wohnte in der Familie, in der ich auch schon bei der Jugendreise 2007 gewohnt habe und freute mich sehr diese wieder zu sehen. Als ich nach drei Jahren nun wieder an die Tür klopfte, warteten bereits schon Catalina, meine Mama und mein älterer Bruder Jimmy, welcher auch gleichzeitig der Vorsitzende von unserer Partnerorganisation APREDEN in SFL ist. Mein jüngerer Bruder Carlos (früher noch Carlito) war gerade leider noch auf einer politischen Veranstaltung der Sandinisten in Managua.

Mein Monat in der Gastfamilie war echt super, da es so herzliche und gastfreundliche Menschen sind. Wir saßen öfters abends zu Hause beisammen und unterhielten uns in Spanisch über Gott und die Welt, was immer sehr amüsant war. Die Familie hat ein relativ großes Haus, ist aber keineswegs reich. Das Dach hatte Löcher und leckte, wenn es doll regnete, es gab nur eine Latrine im Garten und die Dusche befand sich auch im Garten, indem man sich das gesammelte Regenwasser über den Kopf goss. Mein Bett wurde von einem aufgehängten Bettlaken vom übrigen Wohnraum abgegrenzt, wodurch ich nicht viel Platz für meine persönlichen Sachen besaß. Aber das machte überhaupt nichts, da ich sowieso eigentlich fast den ganzen Tag arbeiten und unterwegs war. Auch gegessen habe ich bei einer anderen Familie, bei der von Moritz.

Wir schlossen auch schnell neue Freundschaften mit anderen Jugendlichen im Dorf. Aber vor allem kamen wir vier besonders gut mit Tavo, einem Mitarbeiters des Vereins klar. Tavo kannte ich bereits schon und hatte mich riesig gefreut ihn in Nicaragua wieder sehen zu können. Tavo half uns bei allen Problemen und machte mit uns auch schon mal Angelausflüge, oder andere Unternehmungen, wie zum Beispiel das Schlachten eines Schafes und einer Ente. Auch unsere Chefin in der Bibliothek, Emma, und den Vorsitzenden der Partnerorganisation, Jimmy (meinen Gastbruder), schlossen wir schnell in unser Herz.   

Einige Kontakte, die ich bei den letzten Besuchen geschlossen habe führte ich nicht weiter, da ich nun die einzelnen Personen besser kennen lernen konnte.

Nach dem ersten Monat zogen Moritz und ich zusammen in ein Haus, welches wir uns mieteten für 80 Dollar im Monat. Eigentlich hatte der Verein bereits vorher schon ein Haus für Freiwillige gemietet, jedoch ist dieses zu klein für vier Personen, sodass nun nur noch Mara und Lukas dort wohnten. In unser neues Haus wollten wir anfangs nicht einziehen, da das andere einfach zu gut gelegen war. Außerdem hat das Haus einen überdurchschnittlichen Luxus (Küche, Möbel,…) für San Pancho, sodass wir uns als Freiwillige schlecht fühlten evtl. besser zu wohnen, als die Mehrheit der Bevölkerung. Jedoch stimmte nur bei diesem Haus das Preis- Leistungsverhältnis, weshalb wir uns dann doch entschlossen dort einzuziehen.

In das alltägliche Leben in San Pancho integrierten wir uns sehr schnell und lebten uns auch umso schneller dort ein. Wenn wir nun also auf der einzigen „großen“ Straße des Dorfes unterwegs sind müssen wir mindestens ein, bis zwei Mal an irgendwelchen Häusern anhalten, um uns mit den jeweiligen Menschen dort zu unterhalten. Dadurch, dass das Dorf so klein ist, kennt jeder jeden, wodurch eine gewisse Einheit im Dorf entsteht. Wenn man zum Beispiel Personen aus San Pancho in Managua zufällig trifft, redet man erst einmal ein klein wenig und außerdem wird man z.B. auch vor den gefährlichen Ecken und Personen dort gewarnt, was man als „chele“ natürlich nicht wissen kann.

Leider hat dieses Dorfleben auch den Nachteil, dass man immer genau darauf achten muss was man wo und wie macht. Sobald man irgendetwas Undurchdachtes tut, kann es sein, dass das ganze Dorf am nächsten Tag die Geschichte kennt. Auch Gerüchte um die Ausländer gehen schnell im Dorf herum, selbst wenn sie keinesfalls wahr sind.

Mit der Zeit fühlte ich mich persönlich immer wohler und knüpfte auch immer mehr Kontakte. Leider gab es kleinere Probleme, um sofort in das Nicaleben hereinzukommen.

Als wir nach San Pancho ankamen, war auch gerade eine Jugendreise aus Oldenburg im Dorf, wodurch wir anfangs weiterhin viel deutsch sprachen. Natürlich ist das nicht gut zum Erlernen der Sprache, jedoch wenn die ganze Umgebung, Kultur und Sprache neu für einen ist, dann sucht man sich automatisch den einfacheren Weg der Kommunikation in seiner Heimatsprache. Ich selber hatte damit nicht das so große Problem, da ich vorher schon ausreichend Spanisch in der Schule gelernt hatte, für Moritz hingegen war dies ein verlorener Monat (auf das Erlernen der Sprache bezogen). Außerdem hatten die Betreuer und unsere Mentorin viel Stress mit der Planung der verschiedenen Aktivitäten der Gruppe, sodass ich mich als angehender Freiwilliger ein wenig vernachlässigt gefühlt habe. Dieser Zustand hielt aber nicht lange an und veränderte sich auch sofort mit der Abreise der Gruppe. Leider konnten wir uns danach immer noch nicht voll und ganz einleben, da der vorherige Freiwillige noch länger in San Pancho geblieben ist. Eigentlich war dies kein Problem, da ihm viel daran lag, uns etwas über das Leben und die Arbeit im Dorf mitzugeben und uns zu helfen, jedoch war dies nun sein  letzter Monat, weshalb die Nicas jeden Tag vor dem Abschied mit ihm noch voll auskosteten. Somit kamen wir noch nicht ganz in die Rolle der neuen Freiwilligen herein, da sich eben noch alle an ihn klammerten und wir manchmal einfach nur teilnahmslos daneben standen. Auch die Projekte in den Comunidades hat er noch weitergeführt, weshalb z.B. Moritz und Mara sich auch noch nicht trauten selber den Unterricht zu leiten, da sie ein wenig von dem super Unterricht (mit perfektem Nica- Spanisch) abgeschreckt wurden. Trotzdem habe ich Luis aber sehr lieb gewonnen und habe mich letztendlich doch gefreut, dass er uns noch so viel Neues mitgeben konnte.

Nach der Abreise Luis fühlte ich mich in der Rolle als Freiwilliger, für die ich nach Nicaragua geflogen bin. Ich und Mara traten nun das Frauen- Fußball- Projekt an, um eine Mannschaft in San Pancho zu trainieren und zusammenzustellen, sodass sie evtl. dann zur Frauen- WM nach Oldenburg reisen könnte. Außerdem fühlten wir uns nun auch in den neuen Häusern immer wohler und unternahmen in der Freizeit auch viel mit Nica- Freunden, sodass wir tagtäglich merkbare sprachliche Fortschritte machten.

Ich fing auch an in einer Männerfußballmannschaft aus dem Dorf mitzukicken, was sich allerdings unter den klimatischen Bedingungen schwerer und anstrengender gestaltete, als vorher gedacht. Auch das Verhältnis zwischen uns vier Freiwilligen war immer gut gewesen und wir lernten uns mit jedem tag weiter kennen. Durch das Bewohnen der zwei separaten Häuser konnten wir auch mal zwischendurch nötigen Abstand voneinander gewinnen, um am nächsten Tag wieder erfolgreich zusammen arbeiten zu können. Lukas war durch sein Projekt am Tag ein wenig isolierter von uns dreien, da eben Mara, Moritz und ich viel Zeit in der Bibliothek verbrachten. Wir trafen uns aber regelmäßig, sodass wir bestimmte Sachen untereinander besprechen konnten, was uns in unserem neuen Zusammensein sehr half.     

Nun, da unsere Freiwilligenzeit in San Francisco Libre so richtig anfing, kam leider der nächste Störfaktor dazwischen, der Regen. Durch einen sehr sehr starken Regenfall in diesem Jahr in Nicaragua stieg der Managuasee (an dem San Francisco Libre gelegen ist) sehr schnell und stark an, sodass das Ufer dem Dorf immer näher kam. Die Einheimischen meinten, dass es nicht so schlimm werden würde, jedoch unsere Mentorin hatte den richtigen Riecher und traf schon rechtzeitig Planungen für den Notfall. Wir mieteten uns ein Haus weiter oben in den Bergen an und als das Wasser nun sogar schon drohte in das Freiwilligenhaus von Mara und Lukas einzudringen transportierten wir alle unsere Sachen nach oben. Durch die stetig wachsende Bedrohung des Wassers, wurde nun natürlich wieder unser alltägliches Leben im Dorf gestört.

Das Problem ist leider, dass nicht nur die Gefahr der Überschwemmung bestand, sondern auch die Gefahr der Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten, die durch das verschmutzte Wasser hervorgerufen werden. Bei einem weiteren Anstieg des Wasserspiegels würde außerdem auch die Straße nach SFL überschwemmt werden, sodass keine Herein- und Rauskommen mehr möglich wäre. Somit gäbe es wahrscheinlich auch länger keinen Strom und kein fließend Wasser mehr, sodass eine völlige Isolation entstehen könne.

Um diesem Szenario vorzubeugen. Mussten wir uns schnell eine neue Bleibe in Nicaragua suchen und innerhalb weniger Tage uns von unserem SFL (unseren Freunden) verabschieden. Moritz und ich brachen somit erst einmal auf nach Masaya zu Freundinnen (Caro und Leo), die wir bei dem Vorbereitungsseminar vor dem Jahr kennen gelernt hatten.    

 

 

Zeit in Jiquilillo:

Ihr Mentor erklaerte sich bereit uns aufzunehmen und somit reisten wir samt unserem Gepaeck nach Masaya. Alleine diese Fahrt war schon wieder abenteuerlich genug. Die Fahrt mit dem Bus von San Pancho nach Tipitapa klappte einwandfrei, jedoch mussten wir dort in den vollkommen ueberfuellten Bus nach Masaya umsteigen, nach dem wir mit unseren ganzen Sachen auf der Strasse auf den Bus warten mussten. Moritz und ich passten leider nicht gut auf als der Bus kam, denn im Handumdrehen waren unsere Gepaeckstuecke auf dem Dach des Buses gelandet. Auf diese Art und Weise werden in Nicaragua eigentlich jegliches Gepaeck transportiert, jedoch besteht immer die Gefahr, dass sie evtl. herunterfallen, versehentlich an andere Menschen gegeben werden oder somit einfach und schnell geklaut werden koennen. Somit hatten wir ziemlich viel Stress immer aus den Fenstern nach unserem Gepaeck zu schauen, wenn der Bus anhielt (was er sehr oft tat, da jeder einsteigen kann, der am Strassenrand steht und den Bus heranwinkt). Zum Glueck lief alles aber gut ueber die Buehne, sodass wir mit unserem Gepaeck in Masaya ankamen. Dort mussten wir nur noch ein Taxi zur la Placita nehmen, wo auch schon die Caro auf uns wartete. Caro und Leo waren schon eine Woche vor uns nach Nicaragua aufgebrochen, wohnten jedoch immer noch in Gastfamilien. Wir konnten aber, wie schon erwähnt bei ihrem Mentor Michael wohnen. Dort blieb ich ungefähr eine Woche. Moritz begann sofort mit der Arbeit in einer Vorschule, welches von dem Nicaraguaverein in Dietzenbach unterstützt wird. Ich wollte nicht so gerne in einem Schulprojekt arbeiten und schaute mich somit nach anderen Projekten um. Caro arbeitet mit Moritz zusammen und Leo arbeitet in einem Kindergarten.

Ich verbrachte die Zeit in Masaya also nun damit mir ein anderes Projekt in Nicaragua zu suchen. Ich wollte eigentlich gerne in ein Projekt, wo ich nicht mit anderen Deutschen zusammenarbeite, um mein Spanisch weiter verbessern zu können.

Die Woche in Masaya lebten wir sehr komfortabel. Michael wohnte schon seit vielen Jahren in Masaya und hatte auch eine nicaraguanische Ehefrau. Das Grundstück der beiden ist sehr groß, mit mehreren Häusern. Wir durften in das Gästehaus im Garten einziehen. Alle Häuser hatten Badezimmer wie in Deutschland und sonst auch eigentlich fast alles. Auf dem gesamten Grundstück hatte man W-Lan, außerdem lieh er uns einen Laptop für die Kommunikation nach Deutschland. Er besaß drei Hunde, welche sich aber von den gewöhnlichen Hunden in Nicaragua stark unterschieden, es waren nämlich große und dicke Hunde. Als wir mit den Hunden spazieren gingen, wichen alle Nicas aus und machten einen großen Bogen um uns herum, da sie Angst vor so großen unbekannten Tieren haben. Es gab deutsches Essen, wie z.B. panierte Schnitzel mit Kartoffeln, Salat und Soße, und vieles mehr. Es war ein kleines Stück Deutschland in Nicaragua, was uns in der Zeit sehr gut gefiel. Michael war ein sehr gastfreundlicher Mensch, der sich über Besuch sehr freute. Er betreute dort die Projekte für den Verein aus Deutschland und half den Freiwilligen sich in Nicaragua zurechtfinden zu können. Somit verbrachten wir dort einige lustige Abende. Mit anderen Freiwilligen besuchten wir noch die Laguna de Apoyo, welche einfach atemberaubend schön ist (kannte ich aber auch schon vorher). Ein alter Vulkankrater hat sich über tausende von Jahren mit Wasser gefüllt und eine wunderschöne, grün bewachsene Süßwasserlagune gebildet.

Durch die Hilfe meines Vaters fand ich ein Schildkrötenprojekt in Jiquilillo, am Pazifik (im Nord- Westen Nicaraguas). Ich traf die Projektleiter in Masaya, wo sie gerade Urlaub machten und klärte alles ab. Kurz darauf machte ich mich dann schon auf den Weg von Masaya nach Jiquilillo, ich reiste mit Mikrobusen und musste daher drei Mal umsteigen.

 

In Jiquilillo blieb ich nur zwei Wochen. Leider hielt das Projekt  nicht das, was es versprach. Die Projektleiter wollten eigentlich nur ein paar Tage in den Urlaub fahren, aus diesen wurden dann jedoch ungefähr anderthalb Wochen. Ich hatte daher also nicht viel Arbeit und verbrachte die meiste Zeit in der Hängematte am Strand, manchmal schwimmen gehen im Pazifik und sich mit den anderen Leuten in der Rancho Tranquilo, der Hosbedaje in der ich wohnte (mit Strandbar!), zu unterhalten.  

Dort kamen Reisende aus aller Welt, von Israel, über die USA bis Europa, die meisten blieben dort nur für einige Tage, jedoch ein Engländer (Adam) blieb die gesamte Zeit über dort, weil er auf die Hosbedaje aufpasste, während der Abwesenheit der Besitzer.

Nach zwei Wochen entschied ich mich von dort wieder weg zu gehen, da ich arbeiten wollte und es dort eben nicht konnte. Außerdem wurde mir vorher versichert, dass die Schildkrötenorganisation in Deutschland meine Rechnung dann dort zum Teil mitbezahlen würde (Preise für Touristen in der Hosbedaje), dies war aber wie sich herausstellte nicht der Fall. Somit reiste ich wieder zurück nach Masaya, wo die drei anderen mittlerweile zusammen in einer WG wohnten. Dieses Haus befindet sich im Viertel San Jeronimo und war auch schon die Unterkunft der vorherigen Freiwilligen gewesen.

Während meiner Zeit in Jiquilillo, verstarb leider Michael an einem Herzinfarkt mit 60 Jahren. Die Projekte der anderen laufen weiter, jedoch war es für alle schwer den Tod zu  verarbeiten. Moritz war in der Nacht dabei als der  Krankenwagen kam und half beim Transport. Die anderen gingen auch zur Beerdigung, was mir eben zum Glück erspart blieb, da wir Michael alle sehr lieb gewonnen hatten.

 

Ich freue mich auf eine schöne und aufregende Zukunft in Nicaragua!!!!!!

 

Liebe Grüße nach Deutschland (Oldenburg) aus Nicaragua,

von Finn

 

 

 

  

 
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